re:publica Subkonferenz: Privacy OS

Am Donnerstag findet der öffentliche Teil der zweiten privacy OS Subkonferenz der re:publica statt. Zuerst wird uns Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar auf den aktueller Stand in Sachen Datenschutz in Deutschland bringen.

Der zweite Vortrag der PrivacyOS Unconference heißt "Netiquette for Social Networks" - wie ich finde ein schwacher Name für ein solch wichiges und ernstes Thema. Die Vortragenden Hendrik Speck, Jan Schallaböck und Ralf Bendrath sind allesamt Experten auf ihrem Gebiet und die Kurtzbeschreibung verspricht:

In sozialen Netzwerken tauchen eine Vielzahl von Problemem auf: Identitätsdiebstahl, Daten- und Gesichtsverlust. Die Grenze zwischen öffentlichen und privaten Räumen verschwimmt. Einige dieser Probleme werdem vom Gesetz erfasst, Andere mehr oder minder durch die Geschäftsbedingungen der Plattformbetreiber. Vor allen Dingen müssen sich aber die Nutzer darüber einig sein, wie sie miteinander umgehen wollen. Eine Kultur entwickelt sich, aber möglicherweise braucht es auch eine soziale Übereinkunft: Eine Netiquette für Soziale Netzwerke.
Zweiter PrivacyOS in Kooperation mit der re:publica
Im Rahmen des EU-Projektes “PrivacyOS” (Privacy Open Space) unter der Koordinierung des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) wird vom 1.-3. April 2009 die zweite PrivacyOS Konferenz ausgerichtet. Die Konferenz wird in den Räumen des Mediacenters in Kooperation mit der Konferenz re:publica in Berlin stattfinden. Die Erfahrungen von Entwicklern, Nutzern und Datenschutzbehörden haben gezeigt, dass die Anforderungen des Datenschutzes innerhalb aller Arten von e-Services bereits im frühen Stadium berücksichtigt, umgesetzt und in Prozesse integriert werden müssen. PrivacyOS gibt dabei die Möglichkeit, die Sichtweisen der verschiedenen Akteure zusammen zu bringen. Das EU-geförderte Projekt führt Vertreter aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Regierung und Gesellschaft zusammen, um die Entwicklung und die Anwendung von Datenschutzinfrastrukturen in Europa zu fördern und zu unterstützen. Zu den Partnern von PrivacyOS zählen u.a. Hewlett-Packard Research Labs, Bristol, ERCIM (W3C), NEC, der Dachverband Europäischer Verbraucherschutzorganisationen BEUC, sowie mehrere europäische Nichtregierungsorganisationen, Universitäten und Datenschutzbeauftragte.
Weitere Informationen zur Konferenz sind unter www.privacyos.eu abrufbar.

Social Networks und Datenschutz: Vom falschen Gefühl der Sicherheit

Drei sehr gute Artikel widmen sich dem Konflikt um Facebooks Änderungen an seinen Nutzungsbedingungen und der Frage welche Schlüsse draus zu ziehen sind.

Facebook Battle Ends in Major Victory for Users, But the War Continues meint Marcia in einem Beitrag für EFF Updates

A David and Goliath-type battle erupted this weekend when the public realized that www.facebook.com/" target="_blank">Facebook had changed the rules governing their use of the popular social networking site. In the end, the users prevailed in a victory that reflects the power of social networking as a tool for change. The controversy began on Sunday, when the blog Consumerist pointed out that Facebook's terms of use, which had permitted users to remove their content from the site at any time, had been modified to give Facebook the right to use content indefinitely, subject to privacy settings.
Bei TechCrunch schreibt Facebook Opens Up Its Terms Of Service To Input From Users
After the uproar that ensued when Facebook tried to change its terms of service a couple weeks ago, along with its subsequent backpedaling and public assurances that users own their data, the company is trying a different tack. It is inviting users to comment and contribute on proposed changes to its terms of service. Facebook has posted a proposed set of Facebook Principles and proposed Statement of Rights and Responsibilities. Members can discuss these proposals in two groups dedicated to each set of statements (here and here, respectively).
During a conference call, CEO Mark Zuckerberg explained:
"We do not own user data, they own their data. We never intended to give that impression and we feel bad that we did."
Vor einem falschen Gefühl von Sicherheit warnt Bill Thomson: A false sense of security
"We are storing up trouble as we surf the web, signing up for services, offering our personal details, clicking through on contracts without reading them and generally acting as if nothing can go wrong"

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Berlin: Schülerdatei und CCC Aufruf zum Datenboykott

Als ob wir in jüngster Zeit nicht genug Skandale um Datenmissbrauch gehabt hätten:  Berlin hat tatsächlich am Donnerstag die Schülerdatei beschlossen. Der CCC ruft die Berliner Eltern daher zur Gegenwehr durch Datenboykott auf. Sie sollten den Direktoren bzw. Schulträgern der Schulen ihrer Kinder umgehend die Weitergabe der Daten untersagen. Dazu genügt ein formloses Schreiben. Berliner Schülerdatei: Chaos Computer Club ruft zum Datenboykott auf
Dirk Engling, Sprecher des CCC, kommentierte: "Offenbar müssen erst persönliche Daten von Kindern in die Hände von Straftätern oder Privatschnüfflern fallen, bevor der Berliner Senat den Ernst der Lage begreift und die unverantwortliche Datenraffgier zügelt."
Einen prima Artikel gibts bei Annalist: Für's Leben lernen: die Berliner Schüler-Datei. Mit dem absolut schönste Zitat zum Thema, von FDP-Politiker Veit Wolpert:
"Ich habe das Gefühl, für die Sicherheitsbehörden ist die Verfassung etwas, das man überwinden muss, statt sie zu schützen."
Einen weiteren beim Freitag: Kindern den Stempel aufdrücken
Berlin hat die zentrale Speicherung von Schülerdaten beschlossen, um Schulschwänzer besser zu finden. Von Datenmissbrauch hat man in der Hauptstadt noch nie etwas gehört

Whose data is it anyway?

Der Skandal um die Änderung der Nutzungsbedingungen von Facbook richtet die mediale Aufmerksamkeit auf die Frage welche Rechte die Nutzer "sozialer Netzwerke" eigentlich an ihren eigenen Daten haben. In einer guten Zusammenfassung für die BBC stellt Mark Ward die Frage wem diese Daten überhaupt gehören und wie wenig reflektiert die meisten Menschen Dienste wie Facebook nutzen.
The row over the changes Facebook made to its terms has thrown the light on the rights people surrender when they sign up to use a website. It is likely though that until the row over Facebook's Terms and Conditions went public, few people knew what rights sites claim over the content that their members upload and share. "Less than 25% of users are making a specific point of going to the privacy settings and making changes," said Simon Davies, head of digital rights group Privacy International.
Weiter stellt er die Frage, wie die Problematik rechtlich zu bewerten sei:
However, this could change as in Europe moves are afoot to change the laws and guidelines which govern what websites can do with data and how long they can keep it. In late 2008, the Article 29 working group, which is re-drafting data protection legislation, said websites were breaking the law if they retained data longer than six months.
Und schliesst mit einem Vergleich der für Nutzungsrechte an Benutzerdaten und von Nutzern erstellten Inhalten (Text, Kommentare, Fotos, Videos) relevanten Passagen in den Nutzungsbedingungen der fünf größten sozialen Netzwerke. Das Resultat ist erschütternd! Lest selbst: Whose data is it anyway? Ein weiterer guter Artikel zum Thema bei TechCrunch: Facebook: You Own All Your Data. Period. (But See You at the Next Privacy Uproar.)

Wem gehören deine Daten bei Facebook?

Die letzten Änderungen an Facebooks "Terms & Conditions", also den Nutzungsbedingungen der Seite , haben für einigen Ärger gesorgt. Die neue Version sah einen quasi Uneingeschränkten Zugriff und sehr weitreichende Rechte zur Nutzung und Weiterverwertung von sogenanntem "User Content", also den von den Benutzern angelegten Daten, Texten, Fotos, Videos und  Kommentaren, durch die Firma Facebook vor. Maggie Shiels schreibt dazu auf der BBC: Privacy law call in Facebook row
The issue has raised concerns over who does own personal material, from photos to videos to comments stored on a social networking site.
Im Resultat sah der juristische Text vor, dass die User ihre "Geistigen Eigentumsrechte" an ihren Daten und damit auch an die Rechte der (kommerziellen) Weiterverwertung ihrer Daten zugunsten des Unternehmen Facebook verlieren. Du lädst ein Bild von dir hoch und es gehört Facebook! Das ist besonders unappetitlich, da es sich ja bei Facebook hauptsächlich um "Profile" also digitale Identitäten handelt.

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Informationelle Selbstbestimmung und Datenschutz

Ein schönes Interview mit Sandro Gaycken über Informationelle Selbstbestimmung und Datenschutz auf der Zeit oline.
Niemand kann heute genau überblicken, was mit seinen persönlichen Daten passiert. Deshalb ist auch die Selbstbestimmung in Gefahr, sagt der Philosoph Sandro Gaycken
Sandro Gaycken ist Philosoph und beschäftigt sich unter anderem damit, welche Auswirkungen Überwachung auf die Gesellschaft hat.