Streit um das Urheberrecht: Free as in Freedom

Sehr interessanter Artikel bei Heise zum offenen Brief von Richard Stallman zur Urheberrechtspolitik der Piratenpartei: Richard Stallman kritisiert Urheberrechtskurs der schwedischen Piratenpartei

Es gibt Streit innerhalb von Bewegungen, die sich dem Kampf für mehr Nutzungsfreiheiten rund um Computer und Internet verschrieben haben. So hat der Gründer der Free Software Foundation (FSF), Richard Stallman, in einem offenen Brief die Haltung der schwedischen Piratenpartei zum Urheberrecht bemängelt. Er begrüße zwar generell das Bestreben der “Piratpartiet“, Restriktionen durch Copyright und Systeme zum digitalen Rechtekontrollmanagement (DRM) einzuschränken, erklärt der Doyen der Freien-Software-Szene. Das konkrete Vorhaben der Piraten, das Copyright pauschal auf fünf Jahre zu begrenzen, sei aber in seiner jetzigen Fassung kontraproduktiv für die Verbreitung Freier Software.

Um den Nutzern und Programmierern mehr Möglichkeiten für die Verwendung von Computerprogrammen an die Hand zu geben, hat Stallman Freie Software auf einer besonderen Urheberrechtsvariante aufgebaut, dem Copyleft. Diese Umwidmung des klassischen Copyright mithilfe der GNU General Public License (GPL) und vergleichbarer Lizenzen erzwingt eine freie Weiterverwendung der so vertriebenen Codeteile. Damit sichert sie das öffentliche, nicht das private Eigentumsrecht.

Sollte Software aber nach fünf Jahren auch von dieser Verpflichtung “befreit” werden, würde der Schuss nach hinten los gehen, meint Stallman. Entsprechender “gemeinfreier” Code aus der sogenanten Public Domain könnte dann nämlich ohne die Auflage zur freien Weitergabe in proprietäre Computerprogramme eingebaut und damit gleichsam gefangen genommen werden.

Update: Ich möchte hier auf einen Kommentar von Steffan Meretz auf dem Blog Keimform hinweisen, der die  Problematik, die hinter der Intervention von Richard Stallman steckt auf den Punkt bringt und die Kritik an der politischen Ausrichtung der Piratenpartei zuspitzt: Piraten-Dilemma

Nun gut, das sind Sandkastenspiele. Was aber Richard Stallmans Intervention deutlich macht, ist ein handfestes Piraten-Dilemma. Die Piraten sind einerseits für einen Wissenskommunismus. Das Menschheitswissen soll allen frei zugänglich sein, jede Beschränkung ist künstlich und schädlich, das Urheberrecht (genauer: das Exklusionsrecht) muss weg. Gleichzeitig vertreten die Piraten urliberale — wenn nicht gar neoliberale — Positionen der Warenmonade, nach denen jede und jeder sich um seine ökonomische Verwertung zu kümmern hat. Geld und Marktwirtschaft sind heilig, die Verwertungslogik naturgegeben, und  auch eine Vorstellung eines alternativen Gesellschaftsvertrags im digitalen Kapitalismus gibt es nicht. Doch: Wissenskommunismus + Neoliberalismus = Hauen und Stechen. Survival of the Fittest in seiner übelsten Form. Das entspricht am ehesten dem us-amerikanischen Libertarismus.

Related posts:

  1. Stefan Merten: Free Software for a new society Nachgereicht: Stefan Merten, Gründer des Oekonux-Netzwerks, hat auf der CCC-Konferenz...
  2. Lawrence Lessig in Berlin: Copyright Wars [ May 15, 2009; 19:00; ] Im Rahmen der "Spielstand"...
  3. Cory Doctorow – In Defense of © Eine weitere großartige Radiosendung von Redio Berkman: Diesmal mit Cory...
  4. Filmtip: Good Copy Bad Copy GOOD COPY BAD COPY” ist ein Dokumentarfilm über den Zusammenhang...
  5. “Der Kampfbegriff Geistiges Eigentum ist falsch” Der elektrische Reporter hat wieder einen ganz hervorragenden Film gemacht....

This entry was posted in Commons, Copyright, Digitalkultur and tagged , , . Bookmark the permalink. Post a comment or leave a trackback: Trackback URL.

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *

*
*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>