Interview mit Wolfgang Kleinwächter über die Mitsprache der Internetnutzer bei der Verwaltung des Internet

Ein sehr interessantes Interview mit Wolfgang Kleinwächter über die Mitsprache der Internetnutzer bei der Verwaltung des Internet. Von Florian Rötzer auf Telepolis: ICANN: Weltgipfel der Internetnutzer

Am 28. Februar 2009 beginnt in Mexico unter dem Dach von ICANN der erste Weltgipfel der Internetnutzer. Wolfgang Kleinwächter, Professor für Internetpolitik an der Universität Aarhus und Berater des Vorsitzenden des Internet Governance Forum (IFG) der Vereinten Nationen, ist Mitglied des Vorbereitungskomitees. Telepolis sprach mit dem Leipziger Wissenschaftler. Ein Auszug des Interviews:

Was soll der Weltgipfel der Internetnutzer?

Heute sind 1.5 Milliarden Menschen im Netz. Vor 20 Jahren waren es 500 000. Das Internet ist Teil unseres Lebens. Globale Internetpolitik greift immer mehr in unseren Alltag ein. Es ist doch nur natürlich, dass Nutzer anfangen, Mitbestimmungsrechte einzuklagen und kritisch zu hinterfragen, wer wie, was und warum entscheidet.

Was kommt denn auf uns noch zu?

Das “mobile Internet” ist ja schon teilweise Realität. Zukünftig wird man praktisch überall mit seinem Notebook oder dem Mobiltelefon im Internet surfen können. Beim “Internet der Dinge” geht es darum, Objekte mit einem RFID-Chip und einer IPv6-Adresse zu versehen und dann ans Internet anzuschließen. Was das für Konsequenzen haben wird, ist heute noch unklar.

Ist sich denn der einfache Nutzer, in dessen Namen beim Gipfel geredet wird, dieser ganzen Problematik bewusst?

Wolfgang Kleinwächter: Im Cyberspace ist es wie im richtigen Leben. Nur eine Minderheit von Betroffenen mischt sich in die Politik ein. Das Internet ist noch kein großes gesellschaftliches Thema wie Energie oder Klimawandel. Öffentliches Bewusstsein entsteht meist nur aus öffentlicher Bedrohung. Beim Internet haben wir die Chance aktiv zu werden, bevor die Gefahren real werden. Man muss nicht warten, bis ein Cyberkrimineller einem das Konto abräumt oder private Emails für Erpressungen nutzen.

Was könnte man machen, um mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen?

Wolfgang Kleinwächter: Wir brauchen mehr öffentliches Bewußtsein. Bei der Verkehrserziehung beginnen wir im Kindergarten. Eltern sagen ihren Kindern: Gebt Fremden keine Telefonnummern. Wir meiden im Dunklen bestimmte Gegenden. Wer aber gibt unseren Kindern Verhaltensmaßstäbe mit auf den Weg in den grenzenlosen Cyberspace? Kriminelle, Hassprediger und Kinderschänder sind im Netz nur einen Klick entfernt. Das Sperren von kriminellen Webseiten, wie von der Bundesfamilienministerin geplant, ist okay, wird aber nicht viel helfen. Viel wichtiger ist eine flächendeckende Interneterziehung die im Kindergarten beginnen sollte.

Weiter zum ganzen Text: ICANN: Weltgipfel der Internetnutzer

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