Ricardo Dominguez über elektronischen zivilen Ungehorsam

Als Einstieg in die angesprochene interessante Geschichte des Hacktivismus empfiehlt sich die arte Dokumentation Hacktivisten – Rebellen im Internet von 2002, die gibt’s z.B. auf Google Video.

Die Dokumentation zeigt die neuen Formen dieses Protests, der sich der elektronischen Medien bedient und weltweit rasant zunimmt: Virtuelle Sit-ins, an denen Tausende teilnehmen; Internet-Werbung großer Markenhersteller, die von Netzpiraten gehackt, parodiert oder missbraucht wird – Attacken, die schon zum Börsensturz von Firmen geführt haben, die Opfer dieser Gegenwerbung wurden. Das Filmteam ist im April 2001 dabei, als die Protestveranstaltungen beim Wirtschaftsgipfel in Quebec vorbereitet werden. Doch neben den spektakulären Bildern dieser gewalttätigen Straßenproteste zeichnet sich ein anderer Krieg ab, in dem die Waffen ‘Maus’ und ‘Modem’ heißen: Tausende von Internetbenutzern bereiten in aller Stille eine Online-Protestaktion vor, mit der die offizielle Website der Veranstaltung lahmgelegt werden soll. Anhand der Porträts einiger der führenden Köpfe der Hacktivisten-Szene liefert die Dokumentation Einblicke in das Innenleben dieser im Verborgenen arbeitenden Organisation, Bilder aus dem Zentrum des Cyber-Aktivismus. Die Bewegung hat sich zum Ziel gesetzt, in einer vollständig auf Handel und Wirtschaft ausgerichteten globalisierten Welt Unruhe zu stiften und ihren eigenen Zukunftsentwurf, geprägt von einem gewissen zivilen, politischen und informationsmedialen Widerstand, zu gestalten.

Das freien Radio Freies Sender Kombinat aus Hamburg hat ein interessantes und ausführliches Interview mit Ricardo Dominguez zu Electronic Civil Disobedience, Border Disturbance Technologies und Migration:

Ricardo Dominguez, Mitglied des Electronic Disturbance Theatres und Critical Art Ensembles, unterricht seit einigen Jahren an der University of California San Diego. Er hat die Theorie und Praxis der Electronic Civil Disobedienceausgearbeitet.

Seit 2007 arbeitet er mit anderen am Transborder Immigrant Tool (TIT), das die Passage durch die Borderlands von Mexico nach USA für MigrantInnen sicherer machen soll. Bei dieser Passage sterben seit einigen Jahren jährlich ungefähr 2000 Menschen. Bei dem TIT handelt es sich um ein eher billiges Mobiltelefon mit GPS-Funktionalität, das Kartenmaterial, auf dem z.B. Wasserreserven eingezeichnet sind, den Leuten bereitstellt, die sich auf den Weg nach Norden machen.

Im Interview geht es um die Geschichte der Electronic Civil Disobedience und ihre aktuelle Entwicklung. In einem größeren Bogen reflektiert Ricardo den Stand mobiler Medientechnologien und auf welche Art sie „artivistisch“ anwendbar sind, redet über Überwachung und Web 2.0, das Ausloten, was Cyberterrorismus ist, über Aktivismus, Hacktivismus, Denial of Service Attacken auf Regierungsrechner, Borderlands, Zapatistas, Migration, affektive Medien, Transparenz und Translucency, Simulation von Überwachung, Artivismus, Science of the Oppressed, Land-Art und sogar Nanotechnologiekritik.

Das Interview von vier Studen Länge (mit Musik) gibt’s als Ogg Vorbis auf archive.org zum Download. Bei Annalist kann man weitere Informationen und Links finden.

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Fabbing, DIY, Makerbot

Zwei weitere coole Videos zum Thema “Fabbing” oder auch DIY, Open Design, Making, etc. Great video on openness, open design, and sharing — created during the Open Design Workshop at the Betahaus as part of Social Media Week Berlin 2010 [via].

Delivered in Beta from KS12 on Vimeo.

Adrian Bowyer gave a talk at FOSDEM 2010 in Brussels about RepRap, the cool GPL licenced 3D-printer which could (partly) replicate itself. Watch the talk and learn, why personal fabrication will succeed over old industrial mass production, even in its decentralized form, and why personal fabrication will succeed in the run for creativity [via].

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Fabbing: Ich drucke mir meine Welt


Elektrischer Reporter – Fabbing: Ich drucke mir meine Welt

Der Makerbot ist die kleinste und billigste Fabrik der Welt. Mit einem Baukasten, der nur wenige hundert Dollar kostet, kann sich jeder diesen so genannten Digital Fabricator basteln und ohne große Vorkenntnisse beliebige Objekte herstellen. Plötzlich unterliegen reale Gegenstände den selben Gesetzen wie digitale Güter: Droht den Herstellern von Gebrauchsgegenständen und Ersatzteilen das gleiche Schicksal wie der Musikindustrie? Schon bald könnten massentaugliche 3D-Drucker analog zum Papierdrucker neben jedem Schreibtisch stehen. Die Do-it-youself-Fabriken sind angeschlossen an Online-Communities wie demThingiverse, in denen Baupläne getauscht, diskutiert und verbreitet werden.

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EDRI-gram, Nr. 8.3, 10. Februar 2010

Die deutschsprachige Übersetzung des ERdigramm, wie immer sehr lesenswert. Vielen Dank an die Übersetzter von unwatched!

* Europa-Parlament muss SWIFT ablehnen
http://www.unwatched.org/node/1697
* Gewinner des Europäischen Datenschutzpreises 2010: FakeFriends.me
http://www.unwatched.org/node/1698
* ACTA: Umstrittenes Urheberrechts-Abkommen im Nebel
http://www.unwatched.org/node/1699
* UK führt Ganzkörperscanner am Flughafen Heathrow ein
http://www.unwatched.org/node/1700
* Bits of Freedom startet Kampagne für Benachrichtigungspflicht bei
Datenschutzverletzungen
http://www.unwatched.org/node/1701
* Belgien: Neues zur Umsetzung der Vorratsdatenspeicherung
http://www.unwatched.org/node/1702
* Italien: The Pirate Bay wieder zensuriert
http://www.unwatched.org/node/1703
* Frankreich/Dänemark: Sperren für Glücksspielseiten
http://www.unwatched.org/node/1704
* Niederlande: Big Brother Awards 2009
http://www.unwatched.org/node/1705
* ENDitorial: Europarat belebt untotes WIPO Abkommen wieder
http://www.unwatched.org/node/1706

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Die Edge Debatte

Ich hatte neulich schon auf die unglaublich spannende Debatte unter US Amerikanischen Intellektuellen hingewiesen die der Literaturagent John Brockman mit der Frage des Jahres 2010 anstieß: “Wie verändern Internet und vernetzte Computer die Art, wie wir denken?” Brockman, der einige der wichtigsten Wissenschaftler der Gegenwart zu seinen Autoren zählt, umkreist diese Vision auf Edge.org mit hunderteinundzwanzig Antworten. Frank Schirrmacher ist es zu verdanken, die Debatte, wenigstens ansatzweise seiner deutschen Leserschaft der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zugänglich machte indem er einige herausragende Beiträge übersetzen lies.

Die Frage des Jahres 2010: Wie hat das Internet Ihr Denken verändert?

Geoffrey Miller

Wikipedia ist mein verlängertes Gedächtnis

Die revolutionärste Veränderung durch das Internet betrifft die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden. Ein dezentralisierter sozialer Prozess setzt sich an die Stelle des individuell gefällten Urteils, meintGeoffrey Miller.

Nassim Taleb

Wir befinden uns in einer explosiven Situation

Menschen konstruieren Theorien auf der Grundlage isolierter Nachrichten und machen sich zu „Narren des Zufalls“. Das Internet verstärkt diese Tendenz, es verwandelt die Welt durch die rasante Verbreitung von Informationen in ein Extremistan.Nassim Taleb hat sich daher auf Internetdiätgesetzt.

Kevin Kelly

Ich bin mir über gar nichts mehr sicher

Wir merken uns heute weniger Fakten als früher, weil wir wissen, wie wir im Internet an sie herankommen. Unser Wissen wird dadurch prekärer. Zudem finden wir im Netz zu jeder Tatsache eine Gegentatsache. Alles, was wir heute lernen, unterliegt der Erosion durch Antifaktoren, meint Kevin Kelly.

Gerd Gigerenzer

Die Auslagerung des Geistes

Das Internet stellt unsere kognitiven Funktionen davon, Informationen in unserem eigenen Kopf zu suchen, auf die Informationssuche außerhalb unseres Kopfes um. Es ist freilich nicht die erste Technologie, die das tut, meint Gerd Gigerenzer - und fragt nur einmal am Tag seine Emails ab.

Nicholas Carr

Tiefen und Untiefen

Die wichtigste Funktion von Bibliotheken scheint mittlerweile zu sein, den Zugang zum Internet zu ermöglichen. Und diese Entwicklung wird sich noch beschleunigen, meint Nicholas Carr.

Sam Harris

Wir werden hochgeladen

Es mag noch unklar sein, ob wir den neuronalen Code jemals knacken und unser Innenleben als Abfolge von Bits aus ihm herauslesen können. Aber auf jeden Fall gilt schon, dass wir nach und nach hochgeladen werden, meint Sam Harris

Chris DiBona

Wenn ich reise, fotografiere ich nicht mehr

Das Internet führt zur Vernachlässigung unseres Langzeitgedächtnisses. Der Google-Engineering-Manager Chris DiBona glaubt jedoch nicht, dass es Menschen unwissender macht. Es verändere jedoch unsere Vorstellung von einzigartigenGedanken.

John Markoff

Im Spiegel des Netzes

Das Netz verschärft und beschleunigt schlichtweg Gutes wie Schlechtes und wird faktisch zu einem Spiegel, in dem sich die Fantasien und Narreteien der Welt reflektieren, meint John Markoff.

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Jaron Lanier: You Are Not a Gadget

Jaron Lanier’s You Are Not a Gadget has one of the more sobering prefaces to be found in recent books. “It’s early in the twenty-first century, and that means that these words will mostly be read by nonpersons,” it begins. The words will be “minced into anatomized search engine keywords,” then “copied millions of times by some algorithm somewhere designed to send an advertisement,” and then, in a final insult, “scanned, rehashed, and misrepresented by crowds of quick and sloppy readers.” Lanier’s conclusion: “Real human eyes will read these words in only a tiny minority of the cases.” My conclusion: Is that really such a bad thing?

Comment from a reader: Squeezing round humans into binary slots

Jaron Lanier is afraid that we humans are reducing ourselves to fit into a binary straitjacket. If we are blogging, twittering, and wikiing a lot, he asks, how does that change who we are? Or, If my audience is the ‘hive mind,’ then who am I? Lanier laments the increasing use of fragmentary, impersonal communication (e.g., anonymous blog comments, vapid video pranks, and mashups of popular culture). Such fragmentary communication, he says, demeans interpersonal interaction.

He says the central mistake of recent digital culture is to chop up a network of individuals so finely that you end up with a mush. The abstraction of the network becomes more important than the real people who are networked. As a software designer and creator of virtual worlds, Lanier sees the root of dehumanization in the very binary character at the core of software itself. When scaled up, this binary foundation sets up rigid representations of human relationships.
The most important thing to ask about any technology, he says, is how it changes people. For example, we cheapen the word ‘friend’ when we claim we have accumulated hundreds or thousands of ‘friends’ on Facebook. ”If we can’t reformulate digital ideals,” he argues, “we will have failed to bring about a better world. Instead we will usher in a dark age in which everything human is devalued.”

Lanier says he hopes that his contrarianism will foster an alternative mental environment, where “the exciting opportunity to start creating a new digital humanism can begin.”

More Reviews, interviews, profiles:

Dr.Moira Gunn catches up with internet pioneer and author, Jaron Lanier to discuss his new book, You Are Not a Gadget…a Manifesto, where he discusses the technical and cultural problems that can grow out of poorly considered digital design and warns that our financial markets and sites like Wikipedia, Facebook, and Twitter are elevating the “wisdom” of mobs and computer algorithms over the intelligence and judgment of individuals.

Here is the interview as mp3

 
icon for podpress  Jaron Lanier: You Are Not a Gadget [22:40m]: Play Now | Play in Popup | Download

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Das Internet ist dumm – und das ist auch gut so

Christian Stöcker von Spiegel-Online hat am Montag auf dem Forum des Branchenverbands Bitkom für Kommunikations- und Medienpolitik am 8. Februar 2010 in Berlin eine Rede über das freie und neutrale Internet gehalten. Die Rede über die segensreiche Dummheit des Netzes, über Etikette statt Exhibitionismus-Klagen und über Urheber- und Bürgerrechte ist lustig und sehenswert.

Christian Stöcker: “Die Vorteile des freien Netzes überwiegen seine Nachteile” from Carta on Vimeo.

Hier sind die 7 Thesen von Stöcker:

  1. Das Internet ist dumm und das ist auch gut so.
  2. An vielem, was das Netz gefährlich macht, sind die Nutzer selbst schuld.
  3. Die Staaten dieser Welt werden sich nicht darüber einigen, wie das Netz sein sollte. Aber ein Minimalkonsens in Sachen Verbrechensbekämpfung läßt sich herstellen.
  4. Wir sollten aufhören, vermeintlichen Exhibitionismus anzuprangern, solange wir den Menschen ins Wohnzimmer starren. Wir brauchen eine neue Definition von Öffentlichkeit.
  5. Jugendschutz ist wichtig, aber nicht wichtiger als alles andere. Mit Providern als Zensor wäre das Ende des freien Netzes gekommen.
  6. Urheberrechte sind wichtig, aber nicht wichtiger als Bürgerrechte.
  7. Die Vorteile des freien Internets überwiegen seine Nachteile. Wer das Internet für überwiegend schädlich hält, muß ein Menschenfeind sein.

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New strategies for political hacktivists

Political activists are increasingly using net attacks as a means of protest, reveals a report.

Since late 2009, environmental, political and ideological groups have become significant users of attacks that swamp sites with data. The groups are well resourced and use innovative techniques said Prolexic, a security firm that combats the attacks. Its findings come as cyber-activists block Australian government websites in protest at plans to filter content. Prolexic estimates about a total of nine million computers are used to mount the data flooding attacks.

Increasingly, he said, the attacks were being carried out to make a political point. This week, anti-Scientology group Anonymous blocked access to some key Australian government websites, including the parliament site and the website of Prime Minister Kevin Rudd.

Increasingly, he said, the attacks were being carried out to make a political point.This week, anti-Scientology group Anonymous blocked access to some key Australian government websites, including the parliament site and the website of Prime Minister Kevin Rudd.


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Real Time Web: Alles im Jetzt

Der elektrischer reporter heute mit dem Thema:  “Real Time Web: Alles im Jetzt”


Elektrischer Reporter – Real Time Web: Alles im Jetzt

Die Aufmerksamkeit im Web bewegt sich fort von den statischen Webseiten und hin zu einem dynamischen und unaufhörlich fließenden Nachrichten- und Ereignisstrom, den die Nutzer selbst über Twitter oder ihre Facebook-Statusmeldungen erzeugen: Gedanken, Ideen, Emotionen, Nachrichten, Bilder und Videos – alles landet im Augenblick des Entstehens im neuen Echtzeitweb.

Neue Debatten entstehen in null-komm-nichts und Trends werden offenbar. Ein Vielzahl neuer Anwendungen nutzt die so entstehenden Inhalte als eigenen Rohstoff, den sie filtern, auswerten und damit beherrschbar machen. Den Medien dagegen bleibt selbst kaum noch Zeit auf das Geschehen in der Welt zu reagieren, beim Kampf um die Nachrichtenhoheit haben sie einen weiteren Konkurrenten: Den twitternden Nutzer am Ort des Geschehen. Kritiker sehen als Ergebnis dieser Beschleunigung am Ende den totalen Stillstand, weil die Nutzer schlicht überfordert werden. Der Elektrische Reporter begibt sich hinein ins Realtime Web und geht den neuen Phänomenen dort auf den Grund.

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Jeff Jarvis: “Die Zukunft des Journalismus ist unternehmerisch”

Ullrike Langer in einem Interview mit Jeff Jarvis über die dringend benötigte Startup-Kultur im Journalismus und das Versagen der klassischen journalistischen Institutionen.

Medienprofessor Jeff Jarvis unterrichtet “Unternehmer-Journalismus” in einem Graduierten-Programm an der City University of New York (CUNY). Seine Thesen: Journalisten sollten unbedingt die wirtschaftliche Seite der Branche verstehen, auch wenn sie kein Startup gründen wollen. Klassische Medienunternehmen müssen damit rechnen, dass ihnen neue Konkurrenz aus Jarvis Kursen oder aus der sprichwörtlichen Startup-Garage blüht. In journalistischen Netzwerken und hyperlokalen Plattformen liegt die Zukunft. Und sie gehört Medien, die neue Wettbewerber aus dem sozialen Netz nicht negieren oder ablehnen, sondern umarmen.

Das gesamte Interview als Transkript hier.

Jeff Jarvis über Unternehmer-Journalismus from Ulrike Langer on Vimeo.

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